"Die deutsch-georgischen Beziehungen haben eine langjährige Tradition. Besonders interessant wäre historische Betrachtung dieser Frage, die sicherlich zum besseren Verständnis der Machtkonstellationen in Kaukasus während des ersten Weltkriegs sowie nach dem Zerfall des russischen Keiserreichs führen könnte.
EC-B.com präsentiert Ihnen einen Artikel über Beziehungen zwischen Deutschland und Demokratische Republik Georgien im Jahre 1918. Der Artikel erschien in :Hans Fähnich / Mariam Lortkipanidze (Hrsg.) in GEORGICA. Zeitschrift für Kultur, Sprache und Geschichte Georgiens und Kaukasiens, Jahrgang 28, Aachen 2005 S.S.69-77.
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"Georgier, solange hattet ihr nur einen Deutschen als Freund in meiner Person, jetzt aber ist das ganze Deutschland euer Freund. Es lebe das freie Georgien", mit diesen Worten wandte sich der bekannte deutsche Literat Arthur Leist am 26. Juni 1918 auf einem Festbankett zu Ehren der Vertreter der deutschen militärischen und diplomatischen Mission und der Mittelmächte an die Regierung der Demokratischen Republik Georgien [6]. Leist meinte natürlich den Umstand, dass die staatliche Unabhängigkeit Georgiens mit großem Beistand seitens des deutschen Kaiserreichs wiederhergestellt worden war.
Tatsächlich war der lange Kampf der georgischen Nation um die Abschüttelung des russischen Zarenjochs und um politische Freiheit, der am 26. Mai 1918 mit dem Erfolg gekrönt wurde, durch die unmittelbare Beteiligung und aktive Unterstützung Deutschlands möglich. Diese Tatsache würdigte V. I. Lenin als "Okkupation Georgiens und vollständige Besetzung durch die deutschen Imperialisten". Seither dominierte diese Ansicht unverändert in der gesamten sowjetischen Historiographie. Die deutschen Truppen bezeichnete man als Okkupanten, Imperialisten, Kolonisatoren u. a. Besonders viel wurde zu diesem Thema in den Jahren des zweiten Weltkriegs geschrieben. In den damaligen Büchern, Agitationsbroschüren und unterschiedlichen Publikationen wurden die zur Festigung der Souveränität Georgiens in unser Land gerufenen deutschen Einheiten mit den nationalsozialistischen Eroberern gleichgesetzt, die hier die Rolle von Exekutions- und Strafkommandos ausgeübt hätten und denen die Regierung Georgiens angeblich völlig sklavisch ergeben gewesen wäre.
In den in letzter Zeit veröffentlichten Arbeiten (M. Dvilava, D. Paidadze, L. Bakradze u. a.) begegnen wir solchen Wertungen nicht mehr, aber der Charakter der georgisch-deutschen Beziehungen im Jahre 1918 ist bis zum heutigen Tage nicht Gegenstand konkreter Forschung geworden.
Das Verhältnis zwischen Deutschland und Georgien war durch beiderseitiges Interesse bedingt. Die führenden gebildeten Vertreter der georgischen Nation besaßen eine klare Vorstellung von der deutschen Kultur, kannten die inhaltsreiche Literatur des Landes und andere Errungenschaften und wussten die guten Eigenschaften des deutschen Volkes sehr zu schätzen. Während zu Beginn des ersten Weltkrieges ganz Russland von antideutscher Hysterie ergriffen wurde, waren in den georgischen Zeitungen und Zeitschriften, in den bei uns tätigen geistigen Gruppierungen und Intelligenzgesellschaften germanophile Bestrebungen zu bemerken. Auf diesen Staat war fast die gesamte politische Elite Georgiens orientiert.
Man könnte meinen, dass diese Einstellung durch den Hass auf das Kolonialregime Russlands, durch das Streben nach Freiheit und die Hoffnung, Deutschland könnte bei dieser Sache behilflich sein, bedingt war, was der Wirklichkeit auch nicht im geringsten widerspricht, aber das genügt nicht zur Klärung der Frage. Hinzu kommt noch die bemerkenswerte Tradition der georgisch-deutschen Beziehungen, deren Anfänge in ferner Vergangenheit zu suchen sind.
In der georgischen Jugend des beginnenden 20. Jahrhunderts war das Prestige der deutschen Kultur sehr stark und stand der in der Generation von Sergi Mesxi bestehenden Autorität Frankreichs in nichts nach. "Deutschland, da ist es, wo unser künftiger schaffender Georgier erzogen werden muss. Hier gibt es die Tiefe des Geistes, hier gibt es Sinn, hier ist Philosophie, Wissenschaft und höchste Poesie... Hier sind Schillers Humanismus und Nietzsches Strenge vereint. Auch unser Georgier muss diese beiden Lebensprinzipien tief verinnerlichen und sich zu eigen machen", schrieb Sandro Šanšiašvili im Jahre 1912 [18].
Ungefähr zur gleichen Zeit empfahl der in Königsberg weilende Konstantine Gamsaxurdia im Charakter der Deutschen bemerkte ehrbare Eigenschaften wie "feste Pflichterfüllung, Nationalstolz, Zuversicht auf die eigene
Tatkraft" als nachahmenswert für die georgische Nation (l, S. 146). Den Georgiern waren auch der deutsche Heroismus und das messianistische Pathos nicht fremd, worauf unsere Publizisten oft hinwiesen.
Die Sympathie der Georgier gegenüber Deutschland ging gleich bei Ausbruch des ersten Weltkriegs in eine Annäherung an hohe militärische und politische Kreise dieses Staates über. Die Mitglieder des in Europa entstandenen Nationalkomitees für die Unabhängigkeit Georgiens setzten sich mit offiziellen Vertretern der deutschen Staatsmacht in Verbindung und machten sie mit ihrem politischen Streben bekannt.
Die Loslösung der Randgebiete von Russland und die Schaffung von Pufferstaaten in Polen, der Ukraine und Kaukasien mit dem Ziel, das antideutsche Militärlager zu schwächen, gehörte auch zu den Plänen Wilhelms II. Dies erleichterte die Arbeit des georgischen Komitees. Bald wurde zwischen der deutschen Regierung und dem georgischen Nationalkomitee ein Vertrag geschlossen, demzufolge Deutschland Georgien bei der Erlangung der Unabhängigkeit Unterstützung zusagte.
Dies war der erste Fall, dass Georgiens Bestreben, einen Verbündeten in Europa zu finden, die Rahmen moralischen Mitgefühls seitens der großen Staaten überschritt und in Geschäftsbeziehungen überging. Deutschland finanzierte die gesamte Tätigkeit des Komitees zur Befreiung Georgiens, sicherte die Formierung einer georgischen Legion auf dem Boden des Osmanischen Reiches, beförderte mit Unterseebooten Waffen nach Georgien usw. Im Laufe von drei, vier Jahren schuf diese Zusammenarbeit die Grundlage für die Anerkennung der Souveränität Georgiens seitens Deutschlands. Und tatsächlich übernahm Deutschland, sobald Georgiens staatliche Unabhängigkeit proklamiert war, deren Schutz.
Verfügten die Forscher der Sowjetzeit außer der erwähnten politischen
Einschätzung Lenins über irgendeine konkrete Grundlage, den Charakter der georgisch-deutschen Beziehungen darzustellen?
Das Hauptargument, worauf sie sich stützten, war Zurab Avalisvilts Aufzeichnung aus dessen Buch "Georgiens Unabhängigkeit in der internationalen Politik der Jahre 1918-1921". Was steht in dieser Arbeit zu der uns interessierenden Frage?
Z. Avalisvili war Mitglied jener georgischen Regierungsdelegation, die sogleich mit der Unabhängigkeitserklärung nach Deutschland entsandt wurde, um die Anerkennung der staatlichen Souveränität Georgiens und die offizielle Unterstützung dieses Landes für die Sicherung der Unabhängigkeit zu erwirken. Der georgische Diplomat macht uns mit dem Inhalt seiner Gespräche mit Mitarbeitern des deutschen Außenministeriums
bekannt, von denen einige die Wiederherstellung der Monarchie in unserem Land und andere die Einrichtung eines Protektorats erhofften u. a. Beispielsweise dachte Dr. Simons: "Wenn die geographische Entfernung nicht hinderlich wäre, wäre es für Georgien am ehesten gerechtfertigt, in eine Föderation Deutschlands einzutreten." Derselbe Simons antwortete auf Z. Avalisvilis Frage, wie er sich den künftigen Status eines Vertreters Deutschlands in Georgien vorstelle: "Formal wird es ein gewöhnlicher diplomatischer Vertreter sein; im Wesentlichen könnte er dem Residenten Englands beim unabhängigen Staat Indien nähe kommen" [2, S. 112-113]. Zu dieser konkreten Frage ist in dem genannten Buch nichts anderes mehr ausgesagt, Wenn Wir unberücksichtigt lassen, daß nach Ansicht ranghoher deutscher Militärs (von Lossow und andere) die Verbindung zu Georgien eng sein und Georgien völlig unabhängig bleiben sollte [2, S. 109].
Gehen wir kurz auf alle oben geäußerten Ansichten ein.
Die Idee von der Wiederherstellung der Monarchie in Georgien und der Thronbesteigung eines der Söhne Wilhelms II. unterbreitete den deutschen Machthabern zu Beginn des ersten Weltkriegs im Namen des georgischen Nationalkomitees Giorgi Matschabeli, Aber es ist bekannt, dass diese Frage nach der Proklamation der Unabhängigkeit Georgiens weder in Tbilisi noch in Berlin nochmals ernsthaft aufgeworfen worden ist [22, S. 26-33].
Nehmen wir jetzt an, man hätte tatsächlich einen Residenten zu uns entsandt oder Georgien hätte sich in einem Untergebenenverhältnis zu Deutschland befunden, sagen wir auf der Grundlage eines Protektorats (Schutzstaates). Niemand würde es bestreiten, wenn wir sagen, dass dies bedeutend besser gewesen wäre als die jeglicher politischen Rechte ermangelnde Existenz im "Völkergefängnis" Russlands. Auch unter diesen Bedingungen wäre Georgien nicht zu einem kolonialen Besitztum Deutschlands geworden, und es hätte, wenn auch hinsichtlich der inneren Führung, seine freie, autonome Administration bewahrt. Zudem ist auch zu beachten, dass das deutsche Kaiserreich ein Land europäischer Ordnung mit bedeutend höherer Kultur und größeren Möglichkeiten als das zaristische Russland war und es weniger auf die Assimilation unterworfener Völker abgesehen hatte, während die Russifizierung der einheimischen Nationen der Randgebiete für den Zarismus ein lebensnotwendiges Erfordernis war.
Aber wie wir uns auch den Status Georgiens in der betreffenden Zeit vorstellen wollen, unter dem Schutz Deutschlands, mit irgendeinem Prinzen oder Residenten dieses Landes in Tbilisi, dies wird doch ein subjektives Verständnis der Frage sein und keine faktische Wiedergabe der Realität. Wie gesagt, urteilten so die gewöhnlichen, einfachen Beamten des außenpolitischen Amtes im Kaiserreich. Auf der Ebene der Delegationsleiter wurde über die juristischen Normen der Beziehungen zwischen Georgien und Deutschland nicht einmal ein Gespräch geführt, denn der erzielten Übereinkunft zufolge erkannte Deutschland die volle staatliche Unabhängigkeit Georgiens an. Es wurde sogar zwischen Deutschland und Georgien ein "Freundschafts-, Wirtschafts- und Rechtsvertrag" vorbereitet [12, S. 132], obwohl er nicht unterzeichnet wurde.
Selbst im Reichstag, von dessen gesamter Abgeordnetenschaft nach den Worten eines deutschen Experten höchstens dreißig Mann wussten, wo Georgien liegt, zeigte man großes Interesse und nahm die Herstellung freundschaftlicher Beziehungen zwischen Deutschland und Georgien mit Mitgefühl auf [2, S, 116, 122].
Hier hätten wir einzelne Artikel des am 28. Mai 1918 in Poti zwischen Deutschland und Georgien geschlossenen Vertrags untersuchen und sie analysieren können usw., doch auch dieser Vertrag regelte zwischen beiden Ländern aus dem Kriegszustand herrührende militärische, finanzielle und Handelsprobleme und ging nicht auf die rechtlichen Prinzipien der Beziehungen ein.
Im Juni 1918 kamen mit Einverständnis der Regierung der Demokratischen Republik zwei bayrische "Tausendschaften" mit 1800 Soldaten nach Georgien. Die Einheiten wurden von einer militärdiplomatischen Mission Deutschlands unter der Leitung von General Friedrich Siegmund Kreß von Kressenstein begleitet, der Quartier in Tbilisi im ehemaligen Schloss Muxranbatonis auf dem Rustaveli-Prospekt bezog.
Gleich bei ihrem Eintreffen in Tbilisi besuchten die deutschen Offiziere die Aufbewahrungsstätten georgischer Altertümer, darunter das Historisch-Ethnographische Museum und das Museum der Gesellschaft zur Verbreitung des Lesens und Schreibens unter den Georgiern. Aufmerksam machten sie sich mit Werken der georgischen Kunst, der Rüstung und den Handschriften bekannt und waren von dem Gesehenen begeistert. Besonderes Interesse zeigten sie für die Gemälde von Mose Toidze, Valerian Gabashvili und anderen [4]. Aus diesem Verhalten der Deutschen ging klar hervor, dass die Vertretung einer zivilisierten Nation ins Land gekommen war, die dem georgischen Volk mit seiner großen eigenen Vergangenheit gegenüber positiv eingestellt war, seine nationalen Reichtümer schätzte und bereit war, die Georgier bei der weiteren Entwicklung ihrer geistigen Kultur und Bildung zu unterstützen. Zur Illustration noch einige Beispiele:
1. Auf Initiative des in Georgien wirkenden Nationalrats der Deutschen und der georgischen Intelligenz, vor allem derjenigen unserer Landsleute, die in Deutschland Bildung erworben hatten, wurde im Juli 1918 in Tbilisi eine deutsch-georgische Kulturgesellschaft gegründet. Sie stellte sich das Ziel, die Freundschaft beider Nationen, die Annäherung und den Dialog ihrer Kulturen zu fördern. Die Bildung der Gesellschaft unterstützten SOWOW die Führung der Demokratischen Republik Georgien als auch die offizielle Vertretung Deutschlands in Georgien [8];
2. Die deutsche Regierung stellte im August 1918 für georgische Schüler 10 Stipendien bereit. Jedes von ihnen umfasste 15000 Mark [5J;
3. Der Berliner Verlag "Der Neue Orient" gründete die georgische Literatur- und Wissenschaftszeitschrift "Evropis Moambe", als deren Redakteure er neben dem deutschen Kartvelologen Richard Meckelein Konstantine GamsaxurcJia und Giorgi Kereselije berief [19].
Die deutschen Soldaten sicherten sich bald das Wohlwollen der Georgier. Als in das Gebiet Borcalo türkische Askeris eindrangen, stellten sich ihnen neben georgischen Einheiten auch die deutschen Soldaten entgegen und warfen den Feind von den Grenzen Georgiens zurück. Bei diesem Gefecht opferten mehrere Deutsche ihr Leben. Die Kämpfer, die für Georgiens Freiheit fielen, wurden auf dem deutschen Friedhof in der Nähe der Avtschala-Straße beigesetzt.
Die Deutschen mischten sich weder in die Gründung noch in die weitere Tätigkeit der Demokratischen Republik Georgien ein. Sie hatten Georgien nicht erobert, im Gegenteil, sie retteten es vor der Verheerung und Verwüstung durch die Osmanen und gaben dem georgischen Volk die Möglichkeit, die vor 117 Jahren abgeschaffte nationale Staatlichkeit wiederzuerrichten. Es wäre ungerecht, unbedeutende Exzesse im Verhalten einiger kaiserlicher Soldaten, was aus objektiven Gründen nicht verhindert werden konnte [9, S. 95-99], als "Willkür" und "zügelloses Wüten" zu werten. Diejenigen, die Zeugen dieser Vorkommnisse wurden, sowohl von Regierungsseite wie von Seiten der Opposition, schätzten die Realität objektiv ein. Zum besseren Verständnis führen wir verschiedene Periodika an, die das damalige georgische politische Spektrum wiedergeben.
"Während des hiesigen Aufenthalts der Deutschen haftete der Tätigkeit des georgischen Volkes ... der Segen tiefen Glaubens an... Wenn die anderen uns Ehre erwiesen, waren auch wir von eigener Ehrerbietung erfüllt. Deutschland hat durch sein Verhalten hier allen gezeigt, dass es sich in einem Staat befand. Auch unser Volk wuchs in diesem notwendigen Gefühl und Bewusstsein heran", schrieb die Zeitung der Nationalisten "Sali Klde" [20].
Die "Saxalxo Sakme" der Föderalisten wies darauf hin: "Die Hilfe Deutschlands hat niemals die Grenzen freundschaftlichen Verhältnisses überschritten. Die Anwesenheit der Deutschen in Georgien ... umfasste noch eine andere überaus große Bedeutung; In einer Zeit der allgemeinen Zerrüttung und des Verfalls hatte die Nachbarschaft disziplinierter und ausnehmend höflicher Leute eine unstrittige kulturelle Bedeutung für den im Aufbau befindlichen Staat" [16].
Der gleichen Ansicht war auch der sozialdemokratische "Borba". In einem Leitartikel hieß es: "Die Truppen Deutschlands kamen auf den Ruf der georgischen Demokratie in unser Land. Sie kamen mit zwei Verpflichtungen: die Republik Georgien vor feindlichen Einfallen zu schützen und sich nicht in ihre inneren Angelegenheiten einzumischen... Das georgische Volk bezeugt, dass Deutschland seine gegenüber dem kleinen Georgien eingegangenen Verpflichtungen eingelöst hat und es in der Stunde der historischen Verzweiflung vor dem Untergang und der Sklaverei der Osmanen gerettet hat" [15].
"Die Georgier können die bei uns anwesende deutsche Militärführung und überhaupt das Wirken der Streitkräfte nicht vergessen. Die Deutschen haben sich solches Verdienst um die georgische Nation erworben, das niemals aus ihren Herzen gelöscht werden kann und der Nachkommenschaft weitergegeben werden wird als Beispiel für Ehrenhaftigkeit und Aufrichtigkeit", hob die nationaldemokratische Zeitung "Sakartvelo" hervor [7].
"Die direkte Politik, das klar gegebene Wort und die energische Einhaltung ihres Wortes wurden zur Grundlage dafür, dass die deutsche Staatsmacht in der gesamten Zeit ihrer hiesigen Anwesenheit nicht zum Grab, sondern zur Wiege unserer Unabhängigkeit wurde", vermerkte R. Arsenidze [9, S. 13].
"Die Truppen des alten deutschen Regimes haben sich uns gegenüber fein verhalten und nicht im mindesten die Souveränität unserer Nation verletzt", erklärte der Vorsitzende der Regierung
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Noe Zhordania |
der Demokratischen Republik Georgien Noe Zhordania auf einer Sitzung des Parlaments [17, S. 2], nachdem die Regierung Wilhelms II. gestürzt worden war und die Deutschen sich gezwungen sahen, unser Land zu verlassen. Denselben Gedanken hat N. Zordania auch in seinen Erinnerungen wiederholt.
In seiner 1920 in Tbilisi herausgegebenen Arbeit "Ein kleines Buch über das moderne Georgien" lesen wir: "Deutschland hat sich nicht in unsere inneren Angelegenheiten eingemischt und sein Versprechen bis zuletzt edel erfüllt. Deutschland hat unser Volk vor der physischen Vernichtung gerettet, und diese wahre Geschichte wird an unsere Enkel weitergegeben" [13, S. 59].
Es ist bezeichnend, dass diese aufrichtigen Worte zu einer Zeit gesprochen wurden, als Militäreinheiten Großbritanniens in Georgien standen, die Führung dieser Truppen tatsächlich Einfluss auf die Staatsmacht der Demokratischen Republik Georgien ausübte und es sogar gefährlich war, Dankesworte an Deutschland öffentlich zu formulieren. Daher sind sie um so überzeugender und glaubwürdiger.
Wir können die Meinung des amerikanischen Historikers Cazmezadae nicht teilen, demzufolge sich die Engländer in Georgien genauso verhalten hätten wie wenige Monate zuvor die Deutschen [3, S. 30]. Größere Berechtigung hat die Feststellung des britischen Forschers J. Brinkley, daß Georgien seine Unabhängigkeit bis zur Ankunft der Engländer erfolgreich vorantrieb [3, S. 31],
An dieser Stelle halten wir es für erforderlich, auf einen weiteren bemerkenswerten Fakt hinzuweisen: Die Niederlage des Kaisers und der Mittelmächte im Weltkrieg zwang Deutschland, seine Militäreinheiten aus Georgien abzuziehen. Auf Beschluss des Obersten Rates der Entente wurden seit Dezember 1918 bei uns Truppenverbände Großbritanniens stationiert. Letztere versuchten die Deutschen daran zu hindern, in die Heimat zurückzukehren. Die Georgier unternahmen alles, damit die verdienstvollen deutschen Verbände unbeschadet das Territorium der Republik verlassen konnten. Die georgische Regierung begleitete die aus Tbilisi abziehenden Einheiten im Beisein zahlreichen Volkes würdig zum Bahnhof, und das Verteidigungsministerium veranstaltete für sie in Kutaisi ein Abschiedsbankett. Als Zeichen besonderer Dankbarkeit für ihren Beitrag zur Verteidigung der staatlichen Unabhängigkeit Georgiens wurden die deutschen Soldaten und Offiziere mit dem Orden der Königin Tamar ausgezeichnet [2l, S. 35]. Okkupanten und Eroberer verabschiedet man nicht auf diese Weise.
Es bedarf keiner großen Beweisführung, dass Deutschland in Georgien auch nicht ganz uneigennützig tätig war und dass es grundlegende strategische, wirtschaftliche und politische Interessen lenkten. Aber die Hauptsache war, dass diese Interessen nicht die Souveränität Georgiens beeinträchtigten und den nationalen Bestrebungen kaum im Wege standen; Deutschland betrachtete den georgischen Staat nicht als seinen Satelliten, sondern als Partner, mit dem die Zusammenarbeit auf einem für beide Länder akzeptablen und günstigen Prinzip beruhte. Dies ist gut aus dem Buch des Ministers für Finanzen, Handel und Industrie der Demokratischen Republik Georgien Konstantine Kandelaki zu ersehen, das er in der Emigration, in Frankreich, schrieb, wo niemand dem Verfasser nahe gelegt hätte, eine tendenziöse Haltung zugunsten Deutschlands einzunehmen. K. Kandelaki schreibt: "Falls die Deutschen durch den Einmarsch bei uns und die hiesige Stationierung zu jener Zeit irgendeinen Vorteil hatten, so verlangt die Gerechtigkeit zu sagen, dass sie jegliche Rechnung ordentlich beglichen haben" [11, S. 184-185].
Es ist schwer, definitiv zu sagen, wie sich die Beziehungen zwischen Deutschland und Georgien entwickelt hätten und welche konkrete Form sie angenommen hätten, wenn sie längere Zeit bestanden hätten. In jenen 6-7 Monaten aber, die die Geschichte dieses Verhältnisses währte, war dies ein eindrucksvolles Beispiel für gutes Einvernehmen, geschäftliche Zusammenarbeit auf der Grundlage gegenseitigen Vorteils und partnerschaftlicher Beziehungen zwischen beiden Staaten.
Quellen und Literatur
1 Avaliani, L.: Konstantine Gamsaxurdia kenigsbergsi (in: Kartuli mcerlo-ba, 1990, Nr. 1).
2 Avalisvili, Z,: Sakartvelos damoukidebloba 1918-1921 clebis saertasoriso potitikasi, Tbilisi 1925.
3 Atanelasvili, A.: Sisxliani gakvetilebi, Tbilisi 1999.
4 Axali ambavi (in: Saxalxo sakme, 30. 6. 1918).
5 Axali ambebi (in: Ertoba, 27. 8. 1918).
6 Banketi germanelta da mis mokavsireta pativsacemad (in: Saxalxo sakme, 28. 6. 19i8).
7 Germania da sakartvelo (in: Sakartvelo, 7. 11. 1920).
8 Germanul-kartuli kulturuli sazogadoebis pirveli sxdomis gamo (in: Sakartvelos respublika, 26. 7. 1918).
9 Dyvilava, M.: Deutsch-Georgische Beziehungen in Jahren 1928-1921, „Sakartvelo - germaniis urtiertoba 1918 - 1921 cc“, sakandi-dato disertacia, Tbilisi 1997.
10 Kaukasus und Deutschland, „Kavkasia da germania“ (in: Sakartvelo, 30. 5. 1918).
11 Kandelaki, K.: Sakartvelos erovnuli meurneoba, Bd. 2, Parizi 1960.
12 Paicage, D.: Germania - sakartvelos arsemdgari dokumenti (in: Ciskari, 2000, Nr. 6).
13 Patara cigni tanamedrove sakartveloze, Tbilisi 1920.
14Pipija, G.: Germanskij imperializm v Zakavkaz'e v 1910-1918 gg., Moskva 1978.
15 Presa (in: Sakartvelo, 29. 10. 1918).
16 Saertasoriso mdgomareoba da sakartvelo (in: Saxalxo sakme, 26. 10. 1918).
17 SCSSA, pondi 1836, anaceri l, sakme Nr. 72.
18 Kartuli literaturis saxelmcipo muzeumi, S. Sansiasvilis pondi, sak. Nr. 5558-x.
19 Kartuli zurnali germaniasi (in: Saxalxo sakme, 1. 11. 1918).
20 ijveli kartveli, sin da garet (in: Sali Klde, 19. 5. 1919).
21 Javaxisvili, N.: Kartuli paleristika, Tbilisi 1995.
22 Dshanelidze, O.: Daxvretili tavisupieba, Tbilisi 2000.
© EC-B.com | 24.04.2007, Tbilissi | Otar JANELIDZE